Netzwerk Kirchenreform - Saturday, 31. July 2010
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Navigieren in der Reformdekade

Redebeitrag von Stefan Bölts auf dem Zukunftskonress

  

Stefan Bölts

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Schwestern und Brüder,

ich komme aus dem Oldenburgischen, einer der – noch – selbständigen Kirchen. Wir sind oben an der Nordseeküste beheimatet und sollten eigentlich mit Leuchtfeuern und Türmen vertraut sein. Über diese Bilder aus dem Impulspapier haben sich bereits Viele in Stellungnahmen & Reaktionen ausgelassen und so möchte ich Sie auch nicht mit Detailausführungen über Baken oder Heulbojen langweilen. Aber gestatten Sie mir einige Anmerkungen:

1.      Leuchtfeuer aller Art & Funktion dienen nicht dazu, bis zu Letzt auf ein Einzelnes loszusteuern und dieses sodann umzufahren. Wer aber den Abstand zu groß wählt, läuft Gefahr, den Heimathafen zu verpassen. Die Kunst der Nautik liegt darin, sich an all diesen Punkten zu orientieren und mit deren Hilfestellung nötige Kurskorrekturen vorzunehmen.

2.      Um unterschiedlichen Herausforderungen gerecht zu werden, gibt es ein buntes Spektrum an Seezeichen. Alle markieren je nach örtlicher Gegebenheit die Fahrrinne, die sie aber nicht aus dem Blick verlieren dürfen.

3.      Gut positionierte Leuchtfeuer haben eine Reichweite von mehreren Kilometern und können dennoch ausreichend Orientierung bieten.

4.      Für eine sichere Navigation müssen Fachkräfte regelmäßig geschult werden und konzentriert arbeiten können. Ohne qualitative Wertschätzung können sich bequeme Gewohnheiten & Unaufmerksamkeiten als Fehlerquellen in unreflektierten Routineabläufen einschleichen.

5.      Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, braucht viele verschiedene Gaben in vielen verschiedenen Bereichen. Jeder ist gefragt, jeder kann sich einbringen, jeder wird gebraucht und sollte auch Würdigung und Anerkennung finden.

6.      Auch Offiziere gehören zur Mannschaft und nur gemeinsam kann man diese Herausforderung anpacken. Die harten Fakten der Unternehmung sollte anknüpfungsfähig zur Theologie der geistlichen Gemeinschaft sein, irdische und geistliche Gestalt sind dabei aber nicht zu verwechseln und beide sind ernst und wahrzunehmen.

7.      Die Seefahrt lebt von tradierten Werten. Für eine Kultur (auch der europäischen)  sind sie sogar überlebenswichtig.

8.      Im vielbefahrenen Fahrwasser sollten sie klare Positionen beziehen und erkennbare Positionslichter verwenden.

9.      Um eine Hafeneinfahrt zu markieren, müssen sie ausgewählte Signale setzten. Wer alle erdenklichen Toppzeichen auf einmal setzt, verfehlt den nötigen Impuls und sorgt nur für Verwirrung.

10.  Die Zeit, in der Piraten falsche Öllampen in die Klippen hängten, um aus gestrandeten Seglern große Kirchensteuerschätze zu plündern, ist spätestens seit dem Zeitalter von GPS vorbei.

11.  Im Zeitalter von Cyberspace und globaler Verantwortung ist die Seetüchtigkeit und der Verwaltungsaufwand alter Lastensegler vom Baujahr 1815 zu überprüfen. Schiffe dienen zum Transport und Über-Setzen. Wer das Schiff selbst zum Leuchtfeuer erklärt, tauscht die ausstrahlende Leuchtkraft des lebendigen Evangeliums mit der Unbeweglichkeit von Feuerschiffen.

12.  Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Richtfeuer hängen maßgeblich von der Vereinbarung gemeinsame Signale ab. Ein Gemenge von 23 verschiedenen Lateralsystemen ist für die internationale Seefahrt unbrauchbar und für die Binnenschifffahrt mehr als optimierungshemmend.

Richtfeuer bestehen dabei aus dem sog. Oberfeuer und dem Unterfeuer. Analog habe ich einige Vorschläge für die Reformdekade entwickelt: Mehr unter: www.reformdekade.de 

 

Kontakt: www.stefanboelts.de 

 

Quelle: EKD

Bild: EKD