Wittenberg (idea) – Mehr sozialpolitisches Engagement, eine engere Verknüpfung von Kirche und Kultur sowie eine stärkere missionarische Ausrichtung sind auf dem Zukunftskongress der EKD gefordert worden. Vom 25. bis 27. Januar befassen sich rund 300 Teilnehmer aus Kirche und Gesellschaft mit der Ausgestaltung der Kirche im 21. Jahrhundert.

Die Vorsitzende der Konferenz Kirchlicher Werke und Verbände in der EKD, Katharina Katt (Freiburg, Foto links), kritisierte, dass das Impulspapier des Rates der EKD „Kirche der Freiheit“ zu binnenkirchlich angelegt sei. Man dürfe keine Nabelschau betreiben. Das politische und diakonische Handeln sei nicht genug im Blick. Die Vorsitzende der Jugendkammer der Evangelischen Jugend in Bayern, Judith Wüllerich (Nürnberg), sagte, die wesentliche Frage des 21. Jahrhunderts sei die soziale Frage. „Das schreien die Kirchen des Südens uns entgegen“, so die Studentin.

Olaf Zimmermann (Berlin, Foto rechts), Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, betonte, die Kultur könne Wege zur Kirche eröffnen. Dabei sollte man auch auf die Qualität der Ausgestaltung von Kirchenräumen achten. Kirche sei „mehr als ein Dach über dem Kopf“.
In Mitteldeutschland setzten sich viele Konfessionslose für den Erhalt von Kirchengebäuden ein. Stephan Schaede, Theologischer Referent an der Forschungsstelle der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in Heidelberg, mahnte, kulturferne Menschen nicht zu vernachlässigen, etwa Volksmusikfreunde.

Der sächsische Landtagsabgeordnete Alexander Krauß (Schwarzenberg/ Erzgebirge) gab zu bedenken, welche langfristigen Folgen der Bevölkerungsschwund habe. Der Trend lasse sich nicht in wenigen Jahren umkehren, sondern frühestens in Jahrzehnten, etwa 2030, der Zielprojektion des EKD-Impulspapiers. Die Chemnitzer Pastorin Astrid Kühme plädierte für einen missionarischen Aufbruch. Sie vermisse den Mut zu unkonventionellen Wegen in der Verkündigung. Der Göttinger Theologieprofessor Jan Hermelink (Foto links) wies darauf hin, dass sich das Verhältnis der Menschen zur Institution Kirche nur langsam wandele. Es werde meist vom Bild der Eltern und Großeltern geprägt. Deshalb würden sich jetzige Reformen erst in der nächsten Generation auswirken, also ab 2030.
26.1.07
Quelle: idea.de
Bild: idea/EKD