Offenheit statt Denkverbot

Andreas Koch, Rundfunkpfarrer aus Württemberg zum Impulspapier

  

Andreas Koch. Rundfunkpfarrer (Württemberg)

Das Bild ist zugegebenermaßen etwas schief. Trotzdem: Das EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ hat eingeschlagen wie eine Bombe. Und entsprechende Abwehrreaktionen hervorgerufen. Jetzt, wo der Pulverdampf verraucht ist, bietet sich Gelegenheit für eine nüchterne Betrachtung. Ihr Ergebnis: Mit Denkverboten wird man dem Papier nicht gerecht.

 

Insbesondere das elfte von zwölf Zielen, das die EKD der evangelischen Kirche für das Jahr 2030 steckt, hat es in sich: Die Zahl der Gliedkirchen soll sich an den Bundesländern orientieren und dementsprechend verringert werden. Gibt es zukünftig also auch eine Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg? Sowohl in Stuttgart wie in Karlsruhe winkt man ab: Kooperation ja, Fusion nein.

 

Nun ist es ja in der Tat so, dass das evangelische Württemberg und das evangelische Baden zu den größeren Landeskirchen innerhalb der EKD zählen und jeweils für sich überlebensfähig scheinen. Zudem gibt es zwischen beiden theologische und kirchengeschichtliche Unterschiede, die eine Vereinigung zumindest zu einer Herausforderung machen würden. Nur: Ist das nicht auch der Fall gewesen, als 1952 aus den Nachkriegsstaaten Nordwürttemberg, Nordbaden, Südwürttemberg-Hohenzollern und Südbaden der Südwestsstaat Baden-Württemberg gegründet wurde?

 

Hinzu kommt etwas anderes, nämlich: Auch Württemberg und Baden leben in Sachen Kirche nicht auf einer Insel der Seligen und werden bis zum Jahr 2030 Mitglieder in großer Zahl und damit auch an Finanzkraft verlieren. Wie aber sollen dann, wenn es zu keinen durchgreifenden Strukturreformen kommt, zum Beispiel die Ziele 7 und 8 des Impulspapiers erreicht werden, die eine Ausweitung der Bildungsarbeit und der diakonischen Aktivitäten vorsehen? Schon jetzt wird über beide Bereiche doch nicht das finanzielle Füllhorn ausgeschüttet, sondern hier und da und durchaus nachhaltig der Rotstift angesetzt.

 

Eine Evangelische Landeskirche in Baden-Württemberg als Königsweg in die Zukunft? Vielleicht nicht. Aber auch und auf keinen Fall von vornherein der breite Weg, den zu begehen ewige Verdammnis nach sich zieht. Und deshalb sollten am Anfang der Diskussion über das EKD-Impulspapier keine Denkverbote stehen und einzelne Vorschläge nicht gleich zu den Akten gelegt werden. Das Dumme an der Wirklichkeit ist nämlich, dass sie und nicht reines Wunschdenken die Fakten schafft. Man sollte deshalb als „Kirche der Freiheit“ für die Kirche 2030 offen sein, und zwar in jeder Hinsicht.

 

 

Andreas Koch. Rundfunkpfarrer

 

 

Quelle: elk-wue.de

Bild: Radio7

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