Bischöfin Käßmann gegen Druck auf kleinere Kirchen
Stellungnahmen aus EKD-Gliedkirchen zum EKD-Impulspapier
Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hält die Zusammenlegung von Landeskirchen zu größeren Einheiten für sinnvoll. Über ein Zusammengehen müssten jedoch die kleineren Kirchen selbst entscheiden, sagte sie am Mittwoch in Hannover in einem epd-Gespräch.
Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers als größte deutsche Landeskirche mit knapp 3,1 Millionen Mitgliedern umfasst nahezu 80 Prozent von Niedersachsen. Ihre Kirche werde keinen Druck auf die kleineren Kirchen von Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe ausüben, sagte die Bischöfin.
Die kleineren Kirchen hatten zurückhaltend bis ablehnend auf einen Vorstoß der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) reagiert. Ein Perspektivpapier der EKD von Anfang Juli enthält unter anderem den Vorschlag, die Zahl der heute 23 Landeskirchen auf acht bis zwölf zu reduzieren. Dabei sollte man sich an den Grenzen der Bundesländer orientieren. Der Bischof von Schaumburg-Lippe, Jürgen Johannesdotter, hatte daraufhin erklärt, seine Kirche, mit 63.000 Mitgliedern die zweitkleinste in der EKD, empfinde sich nicht als Übernahmekandidat.
Auch aus anderen Landeskirchen kam Skepsis bis Ablehnung. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber nannte den Bezug auf die Grenzen der Bundesländer für die Kirchen sachfremd. Auch die bremische und die oldenburgische Kirche reagierten zurückhaltend. Die Evangelisch-reformierte Kirche sprach sich für mehr Kooperation aus, verwies aber auf Glaubensunterschiede zu den lutherischen Kirchen.
Die Bekenntnisfrage sei ernst zu nehmen, räumte Bischöfin Käßmann ein. Bei den lutherischen Kirchen stelle sich die Frage des Zusammengehens stärker. Dieser Prozess könne aber kaum von den großen Kirchen in Gang gesetzt werden. Andererseits habe die hannoversche Landeskirche auf Grund ihrer Größe die Möglichkeit, übergemeindliche Zentren zu erhalten. Die Bischöfin wandte sich dagegen, die Diskussion um das EKD-Papier auf die Kirchenstruktur zu konzentrieren. Es enthalte auch mutige Wachstumsziele.
19. Juli 2006
Diese Informationen sind von den Seiten der EKD entnommen.
Quelle: EKD
Bild: evlka
Archiv: Link
Bischöfin Käßmann: Keine Gefahr eines evangelischen Zentralismus
Berlin (epd). Bischöfin Margot Käßmann ist Befürchtungen entgegengetreten, die Empfehlungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu einer umfassenden Strukturreform förderten einen kirchlichen Zentralismus. "Ich halte es für völlig überzogen, die Gefahr eines evangelischen Zentralismus an die Wand zu malen", sagte die Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstagsausgabe).
Mit Hinweis auf 23 autonome EKD-Landeskirchen ergänzte Käßmann, Vielfalt gehöre zum evangelischen Profil. In dem EKD-Impulspapier wird ein "Mentalitätswechsel" und ein Umbau auf allen kirchlichen Ebenen bis zum Jahr 2030 empfohlen. Dazu gehört auch der Vorschlag, dass es langfristig nur noch maximal zwölf Landeskirchen geben solle. Gegen diese Reformpläne gab es aus den kleineren Landeskirchen zumeist kritische Stimmen.
Die Reforminitiative werde außerhalb der Kirche positiver wahrgenommen als in der Kirche, sagte Bischöfin Käßmann: "Vielleicht bewegt sich durch einen solchen Impuls mehr als mit 20 Gremiensitzungen und 20 Protokollen." Auf Dauer könne man es sich nicht leisten, dass sich die evangelische Kirche "in unendlich vielen Strukturen" aufreibe.
08. August 2006
----
Das Interview im vollen Wortlaut:
http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2006_08_08_1_kaessmann_zukunft.html
Das ganze Interview "Wir werden nie eine Einheitskirche" lesen in der Online-Ausgabe von "Die Welt":
http://www.welt.de/data/2006/08/08/989795.html
Weitere epd-Meldungen: http://www.epd.de
Quelle: EKD/epd
Bild: evlka
Archiv: Link
