Netzwerk Kirchenreform - Saturday, 4. February 2012
Druckversion der Seite: Redebeitrag auf dem 1. EKD-Zukunftskongress 2007
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Redebeitrag auf dem 1. EKD-Zukunftskongress

Pfarrerin Astrid Kühme, Chemnitz

 

Pfarrerin Astrid Kühme, Chemnitz

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder, ein herzliches Dankeschön an die Autorinnen und Autoren des Impulspapiers, das klare und wegweisende Perspektiven für eine „Evangelische Kirche der Freiheit“ in einem Zeitraum von zweieinhalb Dekaden entwirft. Ich schätze die Nüchternheit in der Analyse der bekannten Zukunftsprognosen und den visionären Glauben, diesen düsteren Vorhersagen mit zwölf Leuchtfeuern zu begegnen. Statt allgemeiner Erklärungen, werden konkrete und damit auch anfechtbare Zielvorschläge benannt, die zur engagierten Beteiligung am Konsultationsprozess anregen. Vor diesem Hintergrund möchte ich folgende Leseeindrücke mitteilen:

1. Die zwölf Leuchtfeuer wollen in den vier wichtigsten Handlungsfeldern zu einem missionarischen Aufbruch ermutigen. Doch bei näherem Hinsehen, entdecke ich an vielen Stellen alt Bekanntes, wie die  Konzentration auf die Kernaufgaben, deren Kanon meist nur traditionelle Handlungsfelder und Kasualien umfasst (Leuchtfeuer 1). Hier vermisse ich den Mut und das Bekenntnis zu unkonventionellen und kreativen Formen bei der Verkündigung, im Gemeindeaufbau oder bei der kirchlichen Finanzierung.

2. Das Zukunftspapier ist ein sehr deutscher Text. An keiner Stelle der Reformvorschläge wird auf Erfahrungen oder Modelle anderer reformatorischer Kirchen in Europa oder auf anderen Kontinenten Bezug
genommen. Das wäre vor allem im Blick auf die Zielsetzungen im zweiten Handlungsfeld „Aufbruch bei allen kirchlichen Mitarbeitenden“ wünschenswert. Schon längst werden in der anglikanischen oder
methodistischen Kirche des Vereinigten Königreichs  Verwaltungsaufgaben, kirchenmusikalische Aktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit und gottesdienstliche Verkündigung ehrenamtlich durch professionell ausgebildete Gemeindemitglieder gestaltet. Dabei werden sowohl das berufliche Können der Ehrenamtlichen als auch
deren gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildung (einschließlich der Fragen der Finanzierung dafür) stärker mit einbezogen. Im Sinne der „best practice“ könnte dazu eine Studie durchgeführt werden.

3. Das 7. Leuchtfeuer bekennt sich zu einem Bildungsverständnis, das auf die Befähigung von Menschen zielt, „Subjekt der eigenen Lebensgeschichte zu werden“ (S. 78). Dieser ganzheitliche Bildungsbegriff findet sich auch in zahlreichen Veröffentlichungen der EKD wieder, z.B. in der Bildungsdenkschrift „Maße des Menschlichen“.
In den Zielformulierungen des Impulspapiers wird der evangelische Bildungsauftrag vor allem auf die religiöse Vermittlung von zentralen biblischen Texten, Liedern und Gebeten konkretisiert. „Religiöse
Alphabetisierung“ in Kindergärten und Schulen ist unverzichtbar, sollte aber nicht dazu verleiten, allein in diesen Formen eines „Kanons“ an Beheimatungswissen das Profil evangelischer Bildung zu sehen. Der kritische Aneignungsprozess von Wissen und Werten darf dabei nicht zu kurz kommen.

4. Im dritten Aktionsfeld „Aufbruch beim kirchlichen Handeln in der Welt“ kommt meines Erachtens der gegenwartskritische politische Auftrag der Kirche zu wenig zur Geltung. Zwar wird im Leuchtfeuer 7 betont, evangelische Christen sollen in Bildung und Kultur, in Politik und Wirtschaft, in Redaktionen und Wissenschaft von der evangelischen Kirche bewusst gefördert werden. Es fehlt aber in diesem Zusammenhang eine inhaltliche Positionierung nicht nur Licht, sondern auch „Salz der Erde“ zu sein, d.h. auf Seite derer zu stehen, die an der neuen politischen Freiheit scheitern und keine Lebenschancen für sich sehen, wie Hauptschulabgänger, allein stehende Mütter oder Hartz IV-Empfänger. Das Fehlen einer solchen Parteilichkeit lässt den Begriff Freiheit an einigen Stellen daher als eine riskante und zugemutete Freiheit erscheinen, denn als ein Geschenk Gottes.
  

  

Qu: ELK Sachsens

Foto: idea

  

 

Evangelisch-Lutherisches Landeskirche Sachsens

Evangelische Kirche auf dem Weg in die Zukunft

Sächsische Positionen zum Impulspapier und zum Zukunftskongress, Informationen über die neuesten Beschlüsse im Reformprozess und der Beitrag zum Diskussions- Prozess: "Wie wird unsere Landeskirche in zehn Jahren aussehen?".

Eine Zusammenstellung auf den Internetseiten der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens [mehr...]